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FAQ zur Gasversorgungssicherheit

Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf die Energieversorgung in Schwerte

Stand: 31. März 2022

Wir verfolgen mit Bestürzung die Medienberichterstattung und sind in Gedanken bei den Menschen, die vom Krieg in der Ukraine betroffen sind. Ihnen gilt unsere volle Solidarität.

Die Auswirkungen sind aktuell weder geopolitisch noch energiepolitisch und -wirtschaftlich absehbar.

Allerdings hat die Situation schon jetzt Auswirkungen auf unsere Energieversorgung. Als Energieversorgungsunternehmen wissen wir und die gesamte Branche um unsere besondere Verantwortung. Wir engagieren uns im Verbund mit den Branchenverbänden, die im engen Austausch mit der Politik stehen.

Es gibt derzeit viele Gründe, weswegen wir uns Sorgen machen – auch wenn unsere Sorgen und Ängste nicht ansatzweise vergleichbar sind mit dem, was die Bevölkerung in der Ukraine derzeit erlebt. Doch um die Energieversorgung muss sich zum jetzigen Zeitpunkt niemand sorgen. Für Sie haben wir die aktuellen wichtigen Fragen rund um die Energieversorgung in Schwerte zusammengestellt.

Über die Informationsseite zur Lage der Gasversorgung in Deutschland können Sie täglich den aktuellen Lagebericht der Bundesnetzagentur einsehen.

Der Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat am 30. März 2022 die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen.

In den kommenden Monaten müssen sich Kunden und Kundinnen keine Sorgen um ihre Wärmeversorgung machen. Wir haben in Europa Sicherungsmechanismen, die in einer Engpasssituation greifen. In jedem Fall sind Haushaltskunden und Einrichtungen wie beispielsweise Krankenhäuser durch gesetzliche Bestimmungen besonders geschützt.

Die Bundes- und Landesregierung tut alles Notwendige, um die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten. Hinzu kommen Planungen auf der EU-Ebene, bei der Sicherstellung der Gasversorgung gemeinsam aktiv zu werden. Auch hier wird eine gemeinsame Koordination von LNG-Ankäufen diskutiert.

Wichtig ist zu betonen, dass all diese Aktivitäten zunächst als Vorsichtsmaßnahmen zu verstehen sind, um der Gefahr physikalischer Energieknappheiten frühzeitig zu begegnen.

Mit den energiewirtschaftlichen Verbänden wird ein intensiver und vertrauensvoller Austausch praktiziert. Es ist die Vielzahl der Faktoren, die uns vor die Herausforderung stellt, mit Umsicht und Vorsicht im Sinne unserer Schwerter Kunden zu agieren.

Dabei befassen wir uns mit der Verfügbarkeit von Liefermengen sowie der Entwicklung von Einkaufskosten und Einkaufsmengen.

Für den Fall eines Versorgungsengpasses haben wir in Europa entsprechende Schutzmechanismen, durch die Haushaltskunden und verschiedene Einrichtungen durch gesetzliche Bestimmungen besonders geschützt sind.

Im Fall einer übergeordneten nationalen Gasmangellage greift der „Notfallplan Gas für die Bundesrepublik Deutschland“. Dieser regelt, wie Krisenmaßnahmen zwischen Erdgasversorgern, gewerblichen Kunden und Behörden koordiniert werden. Notwendige Maßnahmen werden vorbesprochen und gemeinsam erörtert.

Die deutschen Gasspeicher sind kurz nach dem Winterende zu knapp 25 Prozent gefüllt und damit auf einem vergleichbaren Füllstand wie in den Vorjahren.

(Stand 30. März 2022)

Eine weitere Verschärfung, Verhärtung oder Entspannung des Konflikts in der Ukraine wird von entscheidender Bedeutung dafür sein, wie sich das Preisniveau für Energie langfristig entwickeln wird.

Die Großhandelspreise lagen bereits vor Kriegsausbruch auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Das erhöht die Schwierigkeit der Beschaffung von Strom und Gas für Energieunternehmen ganz erheblich. Davon kann sich niemand abkoppeln. Zur weiteren Preisentwicklung können wir daher an dieser Stelle grundsätzlich keine Prognosen abgeben.

Die Politik muss hier alle Optionen prüfen, wie die Bürger bei steigenden Preisen entlastet werden können.

Zurzeit versorgen wir die Schwerter Bürgerinnen und Bürger in unserem Netzgebiet überwiegend mit L-Gas, lediglich rund 10 Prozent der benötigten Erdgasmengen sind H-Gas. Der Unterschied zwischen diesen beiden Gasqualitäten liegt im Energiegehalt je Mengeneinheit. L-Gas hat einen niedrigeren Brennwert als H-Gas.

L-Gas wird überwiegend aus den Niederlanden bzw. der Nordsee importiert. Ein kleiner Teil wird in Deutschland gefördert. Da diese L-Gas-Vorkommen in absehbarer Zukunft erschöpft sein werden, erfolgt in vielen Gebieten eine Erdgasumstellung auf H-Gas. Diese ist im September 2023 in Schwerte vorgesehen.

H-Gas-Lieferungen nach Deutschland stammen zum Beispiel aus Großbritannien, Norwegen, Katar, LNG-Lieferungen und zu etwa 50 Prozent aus Russland.

Die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit beim Erdgas und die Minderung der Abhängigkeit von russischem Erdgas steht derzeit für die deutsche Politik an erster Stelle – Katar hat bereits eine deutliche Steigerung der Importmenge angeboten.

Das Ziel, die größtmögliche Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wird derzeit von der Bundesregierung und der EU auf zwei Wegen verfolgt. Einerseits über den Ankauf von flüssigem Erdgas (LNG, Liquefied Natural Gas), andererseits über die Schaffung von Gasreserven. Europäische Maßnahmen sind aktuell in der Abstimmung.

Da Erdgas nicht nur zentraler Brennstoff in der Wärmeerzeugung ist, sondern auch in der Stromerzeugung Anwendung findet, ist es nur folgerichtig, dass sowohl Deutschland als auch die EU Maßnahmen planen bzw. ergreifen, um die Importabhängigkeit von russischem Gas schnellstmöglich zu reduzieren.

Mittelfristig werden der massive Ausbau erneuerbarer Energien, eine diversere Lieferstruktur und der Hochlauf von Wasserstoff bedeutsam für eine diversifizierte Versorgungssicherheit sein.

Die Energiewirtschaft arbeitet mit Hochdruck an einer Diversifizierung der Bezugsquellen für Gas, um unabhängiger von Energieimporten aus Russland zu werden. In gewissem Umfang können LNG-Importe hierzu einen Beitrag leisten.

Aber auch aus Gründen des Klimaschutzes gilt: Mittel- bis langfristig müssen wir vollständig unabhängig von fossilen Rohstoffen werden. Deshalb bedarf es eines massiven Ausbaus erneuerbarer Energien und eines schnellen Hochlaufs von Wasserstoff.

Experten gehen derzeit davon aus, dass sich rund 50 Prozent des russischen Erdgases innerhalb eines Jahres ersetzen oder substituieren lassen. Das entspricht etwa 20 Prozent des Jahresgasbedarfs in Deutschland.

Aktuell wurde am 30. März 2022 die Frühwarnstufe des Notfallplans ausgerufen. In dieser Stufe wird die aktuelle Situation im Gasnetz engmaschig beobachtet und bewertet.

Die Verbände stimmen sich im Zuge des Krisenmanagements eng ab. Auf die unterschiedlichen Szenarien für Schwerte bereiten wir uns bestmöglich vor.